HEILPFLANZEN
Agrostemma githago  -   Kornrade
Agrostemma githago (syn. Agrostemma nicaeense, Githago segetum, Lychnis githago);

Kornnelke (syn. Kornrade, Rade)
Botanische Familie:Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Kornrade
  Referenzierte Literatur für die folgenden Angaben:
Aldo Poletti; Prof. Dr. Heinz Schilcher; Dr. Alfred Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Prof. Dr. Hans Flück: Unsere Heilpflanzen, Ott-Verlag, Thun 1941.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
Prof. Dr. Heinz Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Jaques De Sloover, Martine Goossens: Wildpflanzen (Gewürzkräuter und Heilpflanzen); Benziger Verlag, 1982; ISBN 3 545 34025 2.
M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen; Bechtermünz Verlag 2002; ISBN 3-8289-1839-5.
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
Max Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2002.
VORKOMMEN
Heute selten, früher häufig in Getreideäckern, Brachen und Ödland aufzufinden. Liebt mäßig basen- und stickstoff-salzhaltigen, trockenen Boden. Nachdem die Kornrade selbst in botanischen Schausammlungen als Unterrichtsmaterial für Studierende der Phytomedizin nicht mehr verfügbar war, hat man die Art weltweit gesucht und wiedergefunden. Inzwischen ist sie sogar im Samenhandel erhältlich. Sie lässt sich leicht in einem breiten Spektrum ökophysiologischer Bedingungen kultivieren, auch im Ziergarten.
MERKMALE
Die Kornrade hat rote bis purpurfarbene (seltener weiße) Blüten mit 5 Blütenblättern. Unter der Blüte sitzt ein Kelch dessen längliche Zipfel die Blüte um mehr als das doppelte überragen. Der Stengel ist filzig behaart und hat linealförmige Blätter, die sich paarweise gegenüberstehen. Die Pflanze wird 30 - 100 cm hoch und blüht von Juni - Juli.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Agrostemmae semen; Kornradesamen
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

GithageninAromatische Aminosäure Orcylalanin (0,4 %), Triterpensaponine (Githagosid, Agrostemmasaponin 1 und 2), das Ribosomen-inaktivierende Protein Agrostin, fettes Öl.Für die Giftigkeit der Kornrade ist unter anderem das Saponin Githagosid verantwortlich, dessen Aglykon ist Githagenin. Im Githagosid ist das Githagenin noch mit den Zuckern Fucose, Rhamnose, Glucose und Xylose verknüpft. Den höchsten Gehalt an Githagosid haben die Samen mit bis zu 7%.

ANWENDUNG
Früher wurde die Droge in der Volksheilkunde bei Hautunreinheiten, Gastritis, Husten, gegen Würmer und zur Entwässerung eingesetzt. Die Wirksamkeit bei diesen Indikationen ist nicht belegt.Das giftige Prinzip wird gegenwärtig den Saponinen und dem Protein Agrostin zugeschrieben, der Mechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt.
ANMERKUNG
Kornradesamen sind stark giftig!
HOMÖOPATHIE
Agrostemma githago HAB34, die getrockneten, reifen Samen.
Anwendungsgebiet: Bei Magenschleimhautentzündungen.
SONSTIGES
Seit dem Mittelalter wurde die Droge zur Behandlung von Geschwüren, Fisteln und Hämorrhagien genutzt. Ob sie mit der bereits im Altertum als Melanthium bekannten Droge identisch ist, wird allerdings bezweifelt. Gegen Ende des 18. Jh. ist die Droge aus dem Arzneischatz weitgehend verschwunden. Agrostemma githago hat in früheren Zeiten das Brotgetreide verunreinigt und damit bes. im Mittelalter zu Massenvergiftungen beigetragen, wobei erwähnt werden muss, dass auch Mutterkorn (Claviceps purpurea) hieran beteiligt war.
Letzte Änderung:  17.11.2007 / © W. Arnold