HEILPFLANZEN
Agrimonia eupatoria - Kleiner Odermennig
Agrimonia eupatoria (syn. Agrimonia adherens, A. adscendens, A. elata, A. lanata, A. nepalensis, A. officinalis, A. officinarum, A. parviflora, A. sororia, A. vulgaris, Amonia agrimonoides, Aremonia agrimonoides);

Kleiner Odermennig (syn. Ackermennig, Heil aller Welt)
Agrimonia eupatoria - Kleiner Odermennig
Agrimonia eupatoria - Kleiner Odermennig
Agrimonia eupatoria - Kleiner Odermennig
VORKOMMEN
Diese Pflanze kommt in ganz Europa und im nördlichen Asien mit Ausnahme der ark­tischen Zone vor.] Der Kleine oder der Gemeine Odermennig ist eine winterharte Pflan­ze und wächst gerne auf besonnten Magerwiesen und Waldrändern von den Eben­en bis in die mittleren Gebirgslagen (bis in etwa 1600 Meter). Der Gemeine Odermennig ver­trägt keine sauren Böden und nur wenig Schatten. Sammlung vorwiegend aus Wildb­eständen. Man erntet der Odermenning kurz vor oder während der Blütezeit von Juni bis August. Man trocknet ihn an der Luft oder unter künstlicher Wärmezufuhr, wobei eine Temperatur von 40 °C nicht überschritten werden sollte.
MERKMALE
Der Odermenning ist eine 30 cm bis 100 cm hoghe StaudeStaude mit kriechendem Wur­zelstock. Dieser treibt meist einen einzelnen, aufrechten, zottig behaarten Stengel, der gar nicht oder nur schwach verzweigt ist. Von Juni bis September erscheinen die gelben Blüten, die wie für die Odermennige typisch, in einer langgestreckten, ährenartigen Traube angeordnet sind. Die Blüten sind einfach gestaltete Scheibenblumen, die mit ihrem reichlichen Pollenangebot Schwebfliegen, Fliegen und Honigbienen zur Bestäub­ung anlocken.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Agrimoniae herba - (syn. Herba Agrimoniae, Herba Eupatoriae, Herba Lappulae hepaticae); Odermennigkraut.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Gerbstoffe: 4 bis 10 % Catechingerbstoffe, nur wenig Ellagitannine; Spuren von Gallotan­ninen in den Blättern.

Flavonole und Flavone: 1,18 % Gesamtflavonoide im Kraut]. Neben Luteolin und Apigenin und deren 7-O-β-D-Glucosiden auch Quercetin und Kämpferol, frei sowie als Mono- und Diglucosid.
Luteolin, Apigenin, Quercetin

Phenolcarbonsäuren: Unter anderem Ferula-, Gentisin-, Salicyl- und Vanillinsäure, ohne Mengenangabe.

Triterpene: Im frischen Kraut 1,5 % Triterpene, davon 0,6 % Ursolsäure.
PHARMAKOLOGIE
Gallotannine sind adstringierend und können vielfältige Wasserstoffbrücken und Ionen­bindungen mit Makromolekülen wie Proteinen bilden. Dies erklärt die antivirale und deutliche antibakterielle Aktivität von Odermennigextrakten. Die Droge wirkt angeblich harntreibend, doch liegen bisher kaum wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der traditionellen Anwendung bei Harnwegserkrankungen vor.
ANWENDUNG
Innerlich - Ausser bei Durchfallerkrankungen in der traditionellen Medizin bei Galle­stau­ungen, bei Nierenentzündungen und Blasenentzündungen sowie bei Bettnässen der Kin­der. Bei Diabetes zur unterstützenden Senkung des Blutzuckerspiegels. Die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungsgebieten ist nicht belegt. Die Anwendung bei Diabetes sollte nicht ohne Zustimmung des Arztes erfolgen. Zur Teezubereitung verwendet man als Einzelgabe etwa 1½ Teelöffel (ca. 1,5 g) fein zerschnittenes Odermennigkraut.

Äusserlich - Als Gargarisma bei chronischer Pharyngitis, zu Umschlägen und Waschun­gen bei schlecht heilenden Wunden, eiternden Ausschlägen, Verbrennungen, Abschürf­ungen, Psoriasis sowie seborrhoischen Ekzemen. Als Zusatz zu Sitzbädern bei Unter­leibs­erkrankungen. Aufgrund der adstringierenden Wirkung ist eine Wirksamkeit bei äusserlicher Anwendung plausibel, doch ist die Wirksamkeit nicht hinreichend doku­mentiert.
HOMÖOPATHIE
Agrimonia eupatoria HAB; das frische, blühende Kraut.

Anwendungsgebiet: zur Behandlung der Bronchitis.
SONSTIGES
Agrimonia eupatoria ist eine altberühmte Heilpflanze, die im antiken Griechenland der Pallas Athene geweiht war. Bereits Plinius, Galen und Avicenna erwähnen ihre Heil­kraft. Dioskurides setzte die Droge (Eupatorion) zur Heilung von Geschwüren, Dysent­herien und Schlangenbissen ein. Im Mittelalter diente sie zur Behandlung von Leber- und Milzerkrankungen, Ruhr, Hundebissen, gegen Würmer und Hauterkrankungen. Der Gattungsname Agrimonia leitet sich wahrscheinlich vom griechischen agros (Feld) und moné (Wohnort), bezugnehmend auf den Standort der Pflanze, oder vom lateinischen argemonia, dem Namen einer Mohnart bei Dioskurides und Plinius ab. Der Artname eupatoria wird dem König von Pontus, Mithridates-Eupator, zugeschrieben. Die deutsche Bezeichnung Odermennig ist eine Umbildung aus dem lateinischen Agrimonia.
Letzte Änderung: 07.10.2010 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia


Agrimonia eupatoria - Kleiner Odermennig
Agrimonia eupatoria - Kleiner Odermennig


  Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art
Rosales
Rosaceae
Rosoideae
Agrimonia
Gemeiner Odermennig
  Wiss. Bez. Agrimonia eupatoria


Ein alkoholischer Extrakt des Oder­men­nings wird Zahnpasten zuge­setzt.
Bei bestimmungsgemässem Geb­rauch sind keine Risiken oder Ne­ben­wirkungen bekannt.
Odermenning ist in diversen Kombi­nationspräparaten enthalten.


Bei länger anhaltenden Durchfaller­krankungen ist immer ein Arztbesuch erforderlich. Durchfälle im Kleinkind­alter bedürfen immer einer sofortigen ärztlichen Behandlung!