| HEILPFLANZEN |
Aesculus hippocastanum - Rosskastanie |
Aesculus hippocastanum (syn. Aesculus castanea, A. procera, Castanea equina, Hippocastanum vulgare);

Gemeine Rosskastanie (syn. Weisse Rosskastanie, Judenkest, Pferdekastanie, Rosskastanie, Wilde Kastanie). |
| Osteuropa (Balkangebiet) bis Zentralasien (Himalajagebiet); durch die Kultur weit verbreitet und eingebürgert, auch verschiedene Hybriden werden in Gärten und Parks angepflanzt. Typischer Baum in den Biergärten. |
| Bis zu 30 m hoher Laubbaum mit grossen gefingerten Blättern und auffälligen Blütenkerzen mit weissen, rot gefleckten Blüten. Die braunen glänzenden Samen (Kastanien) sind von einer stacheligen Kapsel umgeben. |
| DROGEN (verwendete Pflanzenteile) |
1. Hippocastani folium (syn. Folium Hippocastani); Rosskastanienblätter, die getrockneten Blätter.

2. Hippocastani semen (syn. Semen Castaneae equinae, Semen Hippocastani); Rosskastaniensamen, die getrockneten, reifen Samen; meist aus osteuropäischen Länder. |
| WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE |
1. Hippocastani folium - Saponine, Cumarine (unter anderm Aesculin und Aesculetin), Flavonoide (unter anderem Quercetin) und Kaffeesäurederivate.

2. Hippocastani semen - Triterpensaponinkomplex (3-5 %) mit Esterstruktur. Der handelsübliche Saponinkomplex Aescin besteht überwiegend aus diacylierten Glykosiden mit Barringtogenol C und Protoaescigenin A als Triterpengrundkörpern. Dominierende Komponenten sind die beiden isomeren Formen des Aescins, das hämolytisch aktive β-Aescin und das hämolytisch inaktive Kryptoaescin.

Die Samenschale enthält Proanthocyanidine (Oligomere von Epicatechin und Catechin) mit Procyanidin-B2 als Hauptkomponente. |
| Aescin und Extrakte aus trockenen Samen besitzen ödemhemmende und venentonisierende (gefässabdichtende) Wirkung. Die Saponine und möglicherweise die Gerbstoffe aus Rosskastanie haben entzündungs- und ödemhemmende Aktivitäten. Sie erhöhen die Gefässspannung und die Dichtigkeit der Kapillargefässe. |
1. Hippocastani folium - In der Volksheikunde bei Varizen, zur Unterstützung des venösen Ulcus, bei Venenentzündung und Beinvenenthrombose sowie bei Hämorrhoiden.

2. Hippocastani semen - Samenextrakte werden häufig bei Krampfadern, Geschwürbildung und Hämorrhoiden angewendet; ferner bei anderen Symptomen von Venen- oder Lymphgefässinsuffizienz der Beine. Die Extrakte werden gelegentlich bei Rheuma und Fieber eingesetzt. Das Samenmehl wurde früher als Waschmittel verwendet. |
1. Aesculus hippocastanum (syn. Aesculus) HAB1, die frischen geschälten Samen.
Anwendungsgebiet: bes. venöse Stauungsbeschwerden mit Folgeerkrankungen, unter anderem Hämorrhoiden, Lenden- und Kreuzbeinschmerz.

2. Aesculus hippocastanum e cortice, äthanol. Decoctum (syn. Aesculus Cortex, äthanol. Decoctum) HAB1, die entweder im Frühjahr oder im Herbst von 3- bis 5jährigen Zweigen gesammelte, getrocknete Rinde.

3. Aesculus hippocastanum e floribus HAB34, die weissen, frischen Blüten. |
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| Der Name Aesculus wurde von Linné nach einer von römischen Schriftstellern als aesculus bezeichneten Eichenart geprägt. Die Herkunft des deutschen Namens "Rosskastanie" wird unterschiedlich beurteilt. In einer Version soll die Frucht mit dieser Bezeichnung gegenüber der echten Kastanie (Castanea sativa), der Marone, als minderwertiger unterschieden werden. Nach einer zweiten Version haben bes. türkische Soldaten während ihrer Besetzung in Südosteuropa ihre erkrankten Pferde mit Kastanien, gewissermassen als Expektorans, gefüttert, wodurch es zur deutschen Namensgebung gekommen sein soll. |
| Letzte Änderung: 03.10.2010 / © W. Arnold |
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Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004. |
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A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2. |
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Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg. |
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M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002. |
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H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9. |
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Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008. |
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Wikipedia; Freie Enzyklopädie. |
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L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988. |
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Ordnung
Familie
Unterfamilie
Gattung
Art |
Sapindales
Sapindaceae
Hippocastanoideae
Aesculus
Gewöhnliche Rosskastanie
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Wiss. Bez. |
Aesculus hippocastanum |
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Die Samen der Rosskastanie sind nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Medizinisch verwendet werden Extrakte aus den Samen, der Rinde und den Blättern, wobei ein Nutzen nur für die Samenextrakte belegt ist. |
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Vor Beginn einer Behandlung sollte sichergestellt sein, dass die Schwellungen in den Beinen durch eine Veneninsuffizienz verursacht sind und andere Erkrankungen, wie z.B. eine Stauung des lymphatischen Systems oder eine Herzinsuffizienz nicht vorliegen. |
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Nicht ohne ärztlichen Rat anwenden bei gleichzeitiger Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten (z.B. Marcumar, Aspirin)! |
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