HEILPFLANZEN
Acorus calamus - Kalmus
Acorus calamus (syn. A. aromaticus, A. asiaticus, A. benageri, A. casia, A. griffithii, A. commersonii, A. commutatus, A. odoratus, A. spurius, A. terrestris, A. triqueter, A. vernus, A. vulgans, A. vulagis, Calamus aromaticus, Oronthium cochinchinensis)

Kalmus (syn. Chalmis, Dt. Ingwer, Dt. Zitwer, Echter Kalmus, Gewürzkalmus, Karms­wuttel, Kolmas, Magenwurz, Schwanenbrot, Sigge),
Acorus calamus - Kalmus
Acorus calamus - Kalmus
VORKOMMEN
Wildwachsend in Europa, Nordamerika und Ostasien bis in die asiatischen Tropen: Bur­ma, Sri Lanka, Java, Indien. Verbreitet an Teichen, Gräben, Bächen, an Ufern stiller Ge­wässer und sumpfigen Orten. In Europa kommt die triploide Rasse vor, in Nordamerika die diploide sowie in den Küstenregionen die triploide Rasse, in Asien 2 oder alle 3 karyologischen Rassen. Anbau zu medizinischen Zwecken in Südeuropa, Nordamerika, Asien und Russland. Beliebte Wasserpflanze für den Gartenteich.
MERKMALE
0,5 bis 2,0 m hohe Pflanzen, meist Wasserpflanzen, mit ausdauerndem, verzweigtem, kriechendem, ausgeprägt langem Wurzelstock, dessen Unterseite die zylindrischen Wur­zeln, die Oberseite die langen, linearen Blätter trägt. Winzige Blüten stehen in län­gli­chen Blütenkolben. In Europa steril (triploide Rasse), Vermehrung nur vegetativ. Die zweite Art, der Grasblättrige Kalmus (A. gramineus), ist als shi drang pu in der TCM wohl bekannt. Er besitzt nicht-aromatische, schmale Blätter (unter 10 mm breit), denen die deutliche Mittelrippe fehlt.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Calami aetheroleum (syn. Oleum Calami) Kalmusöl.

2. Calami rhizoma (syn. Rhizoma Calami, Rhizoma Acori); Kalmuswurzelstock.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Acorenon1. Calami aetheroleum - siehe Calami rhizoma.

2. Calami rhizoma - äther. Öl (bis zu 8 %) komplexer Zusammen­setzung mit Phenylpropanderivaten, bes. β-Asaron (=cis-Isoasa­ron) und Terpenen, unter anderem β-Farnesen, Geranylacetat, Isoeugenolmethylether, Acoragermacron, Acoron, Acorenon sowie ausserdem Acorin, ein bitteres Glykosid, Cholin, Methyl­amine, Gerbstoffe, Stärke, Zucker und Schleimstoffe.
PHARMAKOLOGIE
AsaronDie krampflösenden Eigenschaften des ätherischen Öls und die beruhigende Wirkung des Hauptinhaltsstoff (β-Asaron) wurden bei der indischen Varietät nachge­wiesen. Asaron und die Monoterpene besitzen anti­mikrobielle Eigenschaften.
ANWENDUNG
Man verwendet die aromatischen, bitteren Rhizome zur Behandlung von Verdauungs­stör­ungen und Blähungen oder zur Appetitanregung. Kalmus wird traditionell vorwieg­end als verdauungs und blähungslinderndes Mittel genutzt, gelegentlich auch als Brech­mittel sowie als Krampflösungs- und Anregungsmittel, ferner gegen Würmer. Die Droge lindert anscheinend Magenkrämpfe, chronische Ruhr und Asthma; ferner soll sie stär­kend auf das Nervensystem wirken und wurde in der ayurvedischen und Traditionellen Chinesischen Medizin angewendet.
WARNUNG
Kalmus nicht anwenden während Schwangerschaft, Stillzeit oder an Kindern!

Das ätherische Öl der Kalmuswurzel enthält je nach Rasse und Herkunft 0 % bis 80 % β-Asaron. Dieser Inhaltsstoff zeigte in Experimenten mutagene und kanzerogene Eigen­schaf­ten. Es sollte deshalb β-Asaron freier Kalmus / ätherisches Öl verwendet werden. Kalmus (Calami rhizoma) PH (Pharmacopoea Helvetica) enthält höchstens 0.5% Asaron.
HOMÖOPATHIE
Acorus calamus HAB1;

Anwendungsgebiet: bei Magen-Darm-Erkrankungen.
SONSTIGES
Im Orient wurde Kalmus bereits im Altertum (Erwähnung in der Bibel: 2. Mose 30,23) als Gewürz und Heilmittel geschätzt. Nach Europa kam er erst im 16. Jh. aus Südindien über Russland und Siebenbürgen, wohin ihn die Tataren mitgebracht hatten.
Letzte Änderung: 07.10.2010 / © W. Arnold
 
Ben-Erik van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen;Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart; ISBN 3-8047-2069-2, 2004.
Lexikon der Arzeipflanzen und Drogen; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2002.
H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann; Giftpflanzen - Pflanzengifte; Ecomed Verlagsgesellschaft, 1988.


Wikipedia
Mehr über die Problematik des β-Asarons


Acorus calamus - Kalmus
Acorus calamus - Kalmus


  Ordnung
Familie
Gattung
Art
Acorales
Acoraceae
Acorus
Kalmus
  Wiss. Bez. Acorus calamus


Zubereitung aus der Kalmuswurzel werden vor allem in der Getränke- und Likörindustrie zur Aromatisier­ung und als Zusatz zu kosmetischen Präparaten, z. B. Mundwässer ver­wendet.
Das Kauen der Wurzel kann stim­mungsaufhellend sein und in höherer Dosis leichte Halluzinationen ver­ur­sachen. Verantwortlich hierfür sind die enthaltenen Asarone. Diese besitzen eine dem Meskalin ähnliche Struktur. Der Wurzel und dem In­halts­stoff Asaron werden aphro­di­sier­ende Eigenschaften zuge­schrieb­en.
Calami rhizoma ist in vielen Fertig­produkten enthalten (Magentabletten, Magentee).